IFT und TAR
Rekonstruktion einer großen Narbenhernie mittels bilateraler TAR und IFT
Bürgerhospital Frankfurt am Main, Deutschland – Dezember 2024
Dr. Terence Alapatt berichtet berichtet über den Fall eines 61‑jährigen männlichen Patienten (BMI: 34,08) mit einer großen Narbenhernie nach vorangegangener Bauchoperation. Aufgrund der Größe des Defekts und des damit verbundenen Loss of Domain wurde eine bilaterale Transversus abdominis muscle release (TAR) in Kombination mit der intraoperativen Faszientraktion geplant, um einen primären Bauchdeckenverschluss zu erreichen.
Fallübersicht
- Anamnese
- Präoperative Hinweise
- Chirurgischer Eingriff
- Postoperative Course
Ein 61‑jähriger männlicher Patient mit einem initialen BMI von 41,28 (reduziert auf 34,08 nach einem Gewichtsverlust von 23 kg) stellte sich mit einer großen Narbenhernie, entstanden nach einer Notfalloperation in Ägypten im Dezember 2022, in der Sprechstunde von Dr. Alapatt vor. Der initiale Eingriff umfasste eine mediane Laparotomie sowie die Anlage eines protektiven Kolostomas aufgrund einer perforierten Sigmadivertikulitis. Im April 2023 erfolgte die Rückverlagerung des Kolostomas.
Die präoperative CT‑Bildgebung (ein Jahr vor der Operation durchgeführt) zeigte eine Defektgröße von 23 × 23 cm sowie einen Loss of Domain von 28 % (EHS‑Klassifikation: M2‑4W3). Nach Injektionen von Botulinumtoxin (200 IE/90 ml bilateral in die lateralen Bauchwandmuskeln an jeweils drei Injektionspunkten) zeigte die Bildgebung eine gute Relaxation der lateralen Bauchwand und einen reduzierten Loss of Domain. Die zusätzliche Prähabilitation umfasste Nikotinkarenz, Atemtraining sowie eine Thromboseprophylaxe am Abend vor der Operation.
Nach Eröffnung des Bruchsacks wurde zunächst eine vollständige Adhäsiolyse durchgeführt. Vor der Faszientraktion erfolgte eine beidseitige TAR, um den Verschluss der hinteren Rektusscheide zu ermöglichen. Ohne Spannung betrug die Defektbreite der vorderen Rektusscheide etwa 17 cm. Unter Zug verringerte sich der Abstand auf 8–9 cm.
Nach Verschluss der hinteren Rektusscheide erfolgte die Faszientraktion mithilfe von fasciotens®Hernia über einen Zeitraum von 30 Minuten. Die maximal applizierte Zugkraft betrug 20 kg. Am Ende der Traktionsphase wurde ein spannungsfreier Faszienverschluss erreicht.
Ein Kunststoffnetz der Größe 43 × 45 cm wurde in retromuskulärer Position implantiert. Die vordere Faszie wurde direkt verschlossen, ohne Bridging oder die Notwendigkeit eines Herniensack-Interponats.
Es traten keine intraoperativen Komplikationen auf.
Ein lokalisierter Bereich mit verminderter Durchblutung an der Haut im linken Unterbauch wurde konservativ behandelt. Der Patient wurde am 6. postoperativen Tag entlassen. Am 14. Tag wurden die Fäden gezogen. Die Wunde heilte weiterhin gut, wobei sich der größte Teil des ursprünglich ischämischen Hautbereichs bereits erholte hatte.
Chirurgische Schritte
Präoperativer CT‑Scan
Große ventrale Hernie mit einer Defektgröße von 23 × 23 cm und einem Loss of Domain von 28 % (EHS‑Klassifikation: M2‑4W3)
Verschluss der hinteren Rektusscheide
Approximation der hinteren Rektusscheide nach bilateraler TAR. Die Defektbreite im Bereich des vorderen Blattes der Rektusscheide betrug ohne Spannung 17 cm.
Messung des Fasziendefekts
Nach der Netzimplantation wurde der Spalt bei manueller Approximation mit 8–9 cm gemessen.
Traktionsphase
30‑minütige intraoperative Faszientraktion mit applizierten Zugkräften von bis zu 20 kg.
Verschluss der Mittellinie
Endgültiger Mittellinienverschluss ohne Spannung.
Postoperative Ergebnisse
Laterale und frontale Ansicht vor der Operation und nach der Rekonvaleszenz. Es zeigt sich eine deutlich verringerte Bauchvorwölbung.
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